Die neue EU-Trinkwasserrichtlinie hat mit dem herabgesetzten Grenzwert für Blei im Leitungswasser die Anforderungen an Installationssysteme verändert. PPSU-Fittings etablieren sich als als zunehmend beliebte Alternative für sichere und zuverlässige Trinkwasserleitungen und punkten mit Haltbarkeit, Sicherheit und Korrosionsbeständigkeit.
Die überarbeitete Trinkwasserrichtlinie der EU, die 2023 in nationales Recht der Mitgliedstaaten umgesetzt wurde, gewährleistet, dass die Europäer:innen von einigen der höchsten Wasserqualitätsstandards der Welt profitieren. Die Richtlinie hat jedoch auch in der Sanitärbranche für Aufsehen gesorgt, da die Anforderungen an Materialien, die mit Trinkwasser in Kontakt kommen, weiter verschärft wurden. Mit dem neuen, herabgesetzten Grenzwert für Blei im Leitungswasser haben sich PPSU-Fittings als zunehmend beliebte Alternative für sichere und zuverlässige Trinkwasserleitungen etabliert.
Wir haben mit Stephan Müller, Business Development Manager Water Distribution & Supply bei Pipelife, über die Auswirkungen der Richtlinie gesprochen, sowie darüber, wie Installateur:innen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und gleichzeitig Kundenerwartungen und Sicherheitsnormen erfüllen können.
PPSU (Polyphenylsulfon) ist ein hochleistungsfähiger, medizinischer Thermoplast, der seit Jahrzehnten in der Gesundheitsversorgung, Gastronomie, Luftfahrt sowie vielen weiteren Branchen eingesetzt wird. PPSU hat eine höhere Hitzebeständigkeit als die meisten anderen Kunststoffe und zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Schlagfestigkeit sowie Ermüdungs- und Rissbeständigkeit aus.
In modernen Trinkwasserleitungen in Gebäuden sind PPSU-Fittings aufgrund ihrer hygienischen Sicherheit, ihrer mechanischen Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit sowie ihres geringen Gewichts zur ersten Wahl geworden. Ihre Fähigkeit, hohem Druck und hohen Temperaturen standzuhalten, ist für die Langlebigkeit und Dichtheit bei Sanitärinstallationen unerlässlich.
Schon vor Überarbeitung der EU-Richtlinie wurden PPSU-Fittings in Ländern wie Österreich und Deutschland, wo die gesetzlichen Anforderungen und Kundenerwartungen an die Trinkwasserqualität besonders hoch sind, in großem Umfang eingesetzt.
Chemisch beständig
PPSU ist ein biologisch inertes, ungiftiges und vollständig schwermetallfreies Material, das selbst die strengsten Trinkwasserqualitätsstandards erfüllt. Darüber hinaus weist PPSU eine hohe Beständigkeit gegen chemische Desinfektionsmittel auf, wodurch es sich ideal für Sanitärsysteme in Laboren, Krankenhäusern, Hotels und anderen Einrichtungen eignet, in denen strenge Desinfektionsvorschriften gelten.
Korrosionsbeständig
PPSU ist von Natur aus korrosionsbeständig und übertrifft sogar Metalllegierungen. PPSU-Kunststoff-Fittings sind im Vergleich zu Messingalternativen auch weniger anfällig für Kalkablagerungen. Das Material kann unabhängig von der Wasserhärte sicher in Sanitärsystemen verwendet werden.
„Die Korrosivität von Wasser ist in Europa sehr unterschiedlich. In den nordischen Ländern ist das Wasser beispielsweise weicher – es schmeckt besser, stellt aber aufgrund von Korrosionsproblemen eine Herausforderung bei Installationen dar. PPSU-Fittings können unabhängig von ihrer Korrosivität bei einer großen Bandbreite an Trinkwassern verwendet werden.“, erklärt Stephan Müller, Business Development Manager Water Distribution & Supply.
Druckbeständig und mechanisch beständig
PPSU zeichnet sich durch hohe Festigkeit und ausgezeichnete Schlagfestigkeit und Kriechbeständigkeit aus und eignet sich daher hervorragend für Rohrverbindungen. Bei korrekter Installation haben PPSU-Fittings eine zuverlässige Lebensdauer von mindestens 50 Jahren, was auch der Lebensdauer eines Gebäudes entspricht. Für einige Anwendungen, bei denen eine besonders hohe mechanische Beständigkeit erforderlich ist (z. B. Gewindefittings), sollten Fittings aus Metalllegierungen, wie zum Beispiel Siliziumbronze, verwendet werden.
Temperaturbeständig
PPSU-Fittings eignen sich ideal für Warmwasser- und Heizungssysteme. Das Material wurde in verschiedenen Branchen ausgiebig getestet und verträgt kurzfristige Höchsttemperaturen von über 200 °C.
Wettbewerbsfähige Materialkosten
PPSU-Fittings sind zwar teurer als herkömmliche Kunststoffalternativen (wie PP oder PB), aber dennoch günstiger als jene aus bleifreien Metalllegierungen. Dadurch bleiben die Gesamtkosten für Sanitärsysteme wettbewerbsfähig und für Kund:innen erschwinglich.
Die überarbeitete Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 der Europäischen Union, die im Januar 2021 verabschiedet wurde, legt verschärfte Standards für Materialien fest, die mit Trinkwasser in Kontakt kommen. Die neue Richtlinie steht in strikter Übereinstimmung mit dem im Europäischen Green Deal angekündigten Ziel. Dabei wurden strengere Grenzwerte für verschiedene chemische Substanzen im Wasser, wie Desinfektionsnebenprodukte, PFAS, Schwermetalle und andere, angekündigt.
Messing-Fittings werden aufgrund ihrer Erschwinglichkeit und guten mechanischen Eigenschaften traditionell in Trinkwasserleitungen verwendet. Es gibt jedoch kostengünstige, gänzlich bleifreie Alternativen.
„PPSU verfügt über eine hohe Schlagfestigkeit, eine ausgezeichnete Wärme- und Chemikalienbeständigkeit sowie eine langfristige hydrolytische Stabilität und biologische Inertheit, was es zu einem bewährten Material für zahlreiche Anwendungen macht, darunter auch die Wasserverteilung“, erklärt Müller.
Tatsächlich bietet Pipelife bereits PPSU-Fittings für das jahrzehntelang bewährte, weiterentwickelte Mehrschicht-Verbundrohrsystem RadoPress LF an. Als Reaktion auf das steigende Interesse und die hohe Nachfrage der Kunden wurde das Fitting-Sortiment erweitert und umfasst nun eine Vielzahl an PPSU-Fittings in den Größen DA 16-32.
In Bezug auf die Installation gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Kunststoff- und Metallpressfittings. Wenn überhaupt, lassen sich PPSU-Fittings aufgrund ihres geringeren Gewichts noch leichter verarbeiten. Bei korrekter Installation bieten PPSU-Fittings während ihrer gesamten Lebensdauer sichere, zuverlässig dichte Verbindungen und erfordern nur minimalen Wartungsaufwand.
Die PPSU-Fittings von Pipelife werden mit handelsüblichen TH-Profil-Pressbacken installiert, ganz ohne spezielle Werkzeuge, Lötzinn, Flussmittel oder Klebstoff. Dank drei Sichtfenstern können Fehler beim Einführen der Rohre sofort erkannt und vor dem Verpressen der Verbindung behoben werden. Das spart Zeit, Kosten und Aufwand.
Durch die Kombination von PPSU und bleifreien Legierungen hat Pipelife ein Portfolio geschaffen, das alle Anforderungen erfüllt.
- Stephan Müller, Business Development Manager Water Distribution & Supply bei Pipelife
Die überarbeitete Trinkwasserrichtlinie bedeutet nicht, dass metallische Fittings keinen Platz mehr in der Kalt/Warmwasserinstallation haben. Müller betont, dass bleifreie Metalllegierungen verfügbar sind und trotz etwas höherer Kosten in bestimmten Anwendungsbereichen Vorteile bieten:
„Bleifreie Metalle sollten für Gewindefittings verwendet werden, da diese Verbindungen eine sehr hohe mechanische Festigkeit erfordern. Eine solche Festigkeit ist jedoch für Rohr-zu-Rohr-Verbindungen nicht erforderlich, wo PPSU eine höhere Kosteneffizienz und Korrosionsbeständigkeit bietet.“
Das neu erweiterte RadoPress LF-Portfolio umfasst eine große Auswahl an bleifreien Siliziumbronze- und PPSU-Fittings – ideal für unterschiedliche Installationsszenarien. Das erweiterte Fittings-Sortiment ermöglicht es Installateuren, ihren Kunden optimale Sicherheit und Zuverlässigkeit zu bieten und gleichzeitig in einem sich schnell verändernden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Das erweiterte Produktportfolio umfasst Kupplungen, Reduzierstücke, Winkelstücke und T-Stücke aus PPSU sowie eine große Auswahl an Fittings aus Siliziumbronze, welche die Planung und Installation von Trinkwasserleitungen in Gebäuden vereinfachen.
Aufgrund sich ändernder gesetzlicher Vorschriften und steigender Kundenerwartungen suchen Installateure nach neuen Technologien und Produkten, die ein hohes Maß an Hygienesicherheit, Langlebigkeit und Benutzerfreundlichkeit bieten, und gleichzeitig kostengünstig sind.
Die Korrosionsbeständigkeit, das geringe Gewicht und die einfache Installation von PPSU-Fittings machen sie zu einer ausgezeichneten Wahl für die neuen Anforderungen im Sanitärbereich und tragen dazu bei, dass jede Verbindung sicher und jedes System auf Langlebigkeit ausgelegt ist.
1. SIND PPSU-FITTINGS FÜR DIE KALT-/WARMWASSERINSTALLATION SICHER?
Auf jeden Fall. Im Gegensatz zu Metallfittings, die mit der Zeit durch aggressive Wässer angegriffen werden können und Metalle in das Wasser abgeben können, weisen PPSU-Fittings eine ausgezeichnete hygienische Sicherheit auf.
2. SIND PPSU-FITTINGS LANGLEBIG?
Ja. Die allgemeine Langlebigkeit, einschließlich der mechanischen Festigkeit, Druck- und Temperaturbeständigkeit von PPSU-Fittings, wurde in Tests und praktischen Anwendungen umfassend nachgewiesen und gewährleistet eine kompromisslose Funktion.
3. SIND PPSU-FITTINGS EINFACH ZU INSTALLIEREN?
Ja. Tatsächlich entscheiden sich viele Installateure für die RadoPress LF PPSU-Pressfittings, da sie einfach und fehlerfrei zu installieren sind und dichte Verbindungen gewährleisten. Es sind keine speziellen Installationswerkzeuge erforderlich, und eventuelle Fehler beim Verbinden der Rohre können dank der „unverpresst undicht“ Eigenschaft während der Druckprüfung schnell erkannt werden.
4. KÖNNEN DIE PPSU-FITTINGS VON PIPELIFE MIT Mehrschichtverbundrohren VERWENDET WERDEN?
Unser PPSU-Produktportfolio wurde für das RadoPress LF-Mehrschichtrohrsystem entwickelt und dafür zertifiziert.